ÖDIPUS NACH SOPHOKLES
Von Lukas Bärfuss.

In der Escher-Wyss-Unterführung Zürich mit grossem Erfolg uraufgeführt.

Die legendäre Antwort der Goethe Stiftung auf unseren Antrag auf einen Unterstützungsbeitrag:

"Sehr geehrter Herr Brunk,

Als wir ihr Gesuch in die Hand nahmen freuten wir uns zunächst über eine Inszenierung des grossartigen Dramas "König Oedipus" von Sophokles. Was wir aber dann lasen, liess uns regelrecht erschaudern. Wie kommen Sie auf die Idee, Oedipus hätte 'sich von seinen Verantwortlichkeiten abgelöst' und sei 'in eine narzisstische Innerlichkeit eingetaucht' ? Zudem ist die recht gesuchte Dislokation nach Chur ziemlich unnötig, der Bezug zu Brecht gesucht und die Reduktion auf zwei Schauspieler, die sie selber als völlig unangemessen beurteilen, bedauerlich.Natürlich dürfen Sie einen solchen Oedipus kreieren, das hat mit Sophokles rein nichts mehr zu tun. Wir gewinnen den Eindruck, Sie missbrauchen den Namen "Sophokles" als Zugpferd und werden auf diese Weise ihre Zuschauer masslos enttäuschen. Haben Sie bitte - im Gegensatz zu den 'Kröten' - Mut und inszenieren Sie "König Oedipus von Bärfuss/Brunk', aber lassen Sie den Namen Sophokles aus dem Spiel.

Sie werden verstehen, dass wir in Anbetracht unserer Vorbehalte Ihrer Inszenierung gegenüber keine Unterstützung gewähren können. Ihre Unterlagen gehen in der Beilage an Sie zurück.

Bitte beachten Sie unsere neue Adresse.

Mit freundlichen Grüssen:

GOETHE STIFTUNG FUER KUNST UND WISSENSCHAFT"